Engagierter Pazifist und Menschenfreund mit weitem Herzen

Der ehemalige Schulreferent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss Pfarrer i.R. Wilfried Böhnisch verstarb kurz nach seinem 89. Geburtstag.

Am 25. Mai hatte er noch im Kreis seiner Familie seinen 89. Geburtstag gefeiert, kurz darauf am 8. Juni in der Nacht zum Pfingstsonntag verstarb Wilfried Böhnisch, Pfarrer, Religionslehrer und langjähriger Schulreferent im Kirchenkreis Gladbach-Neuss.

Geboren in der Niederlausitz, nach dem Zweiten Weltkrieg aufgewachsen in Schleswig-Holstein studierte Wilfried Böhnisch Theologie Tübingen und Heidelberg. Am 25. Oktober 1964 wurde er zum Pastor der Nordelbischen evangelisch-lutherischen Kirche ordiniert. In Norddeutschland übernahm er auch seine erste Pfarrstelle und hier kamen auch seine drei Töchter zur Welt. Als Pfarrer war er progressiv und eckte damit auch an. 1971 verließ er den Norden und zog mit der ganzen Familie ins Rheinland. Er war als Religionslehrer in Rheydt, Dülken und Viersen tätig, ehe er das Schulreferat des Kirchenkreises Gladbach-Neuss übernahm und dann für die Fortbildung von Religionslehrern zuständig war. Wichtig war ihm dabei, weiter zu unterrichten, um den Kontakt zur Praxis zu erhalten. 1998 ging er in den Ruhestand.

Wilfried Böhnisch engagierte sich stark in der Friedensfrage und der Debatte um die sogenannte Nato-Nachrüstung Anfang der 1980er Jahre. Er gehörte der Vorbereitungsgruppe für die Herbstsynode 1982 an, bei der nach kontroversen Diskussionen die Friedenssicherung durch Atomwaffen als zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mögliche christliche Handlungsweise bezeichnet wurde. Die Synode bildete einen Friedensausschuss, dem der engagierte Pazifist ebenfalls angehörte.

Die Partnerschaftsarbeit mit Gemeinden in der damaligen DDR war  ein weiterer wichtiger Teil seiner Arbeit. Als Synodalbeauftragter organisierte er zweimal jährlich fünftägige Treffen in Ost-Berlin, an denen hochkarätige Referenten teilnahmen. „Der Kontakt zu den Gemeinden und Pfarrern war dadurch sehr eng und intensiv“, erinnert sich Ute Dornbach-Nensel, Kollegin und Weggefährtin. „Es war eine schwierige und aufwändige Arbeit. Die Synode hat mit der Beauftragung großes Vertrauen in Wilfried Böhnisch gesetzt.“ Heute gerate diese Partnerschaftsarbeit leider in Vergessenheit, aber für Böhnisch sei sie stets besonders wichtig gewesen.

Dem Natur- und Vogelfreund Wilfried Böhnisch lag auch das Thema der Bewahrung der Schöpfung am Herzen. „Dafür setzte er sich zeitlebens ein“, unterstreicht sein langjähriger Kollege und persönlicher Freund Werner Ulrich. Ebenso liebte er die Menschen. „Egal ob Christ oder Moslem – er liebte die Menschen der ganzen Welt“, zitiert Pfarrer Christian Röhling in seiner Predigt zur Beisetzung Wilfried Böhnischs zweite Ehefrau Walli. In seinem Garten wehte die Europaflagge neben der Regenbogenfahne – ein politisches Statement, das ihm viel bedeutete.

Wilfried Böhnisch wurde am 17. Juni 2025 auf dem Friedhof in Krefeld-Bockum beigesetzt.

  • 23.06.2025
  • Angela Rietdorf
  • Werner Ulrich