Solidarität zeigen, Anteilnehmen und Trauern, – das geht nur mit „Innehalten“.
Etwas Schreckliches ist passiert. Ein 50 jähriger Arzt und Psychiater mit Migrationshintergrund rast mit einem Auto in den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Fünf Menschen sind bis jetzt verstorben. Über 200 wurden verletzt. Viele von ihnen sind schwer-, und schwerstverletzt … – Betroffen sind Menschen, die sich, wie wir heute, mit einem Bummel über den Weihnachtsmarkt einstimmen wollten auf Weihnachten, das Fest der Familie, das Fest der Liebe – ein Friedensfest. Da zerbricht in ein paar Minuten so viel Lebensfreude, die wir mit Weihnachten verbinden.
Wir sind sprachlos. Geschockt. In Gedanken bei Angehörigen und Verletzten. Wir trauern mit den Angehörigen um Ihre Lieben. Mit den Eltern um das Kind. Für den Moment haben wir das Gefühl, dass der Boden unter unseren Füßen wankt oder uns ganz verloren geht. Wir denken an Rettungs- und Sicherheitskräfte, Ersthelfer*innen, Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, die geholfen haben. Mit welchen Bildern im Kopf werden sie wohl Weihnachten feiern? Und doch sind wir ihnen dankbar für jedes Leben, das sie haben retten können, für umsichtiges Handeln und für die Hilfe, die sie den Betroffenen haben geben können.
Das „Fröhliche Weihnachten“ bleibt uns im Hals stecken.
Wie gut, dass wir zusammen hier stehen und innehalten. Wir teilen Angst, Zorn und Trauer. Hier und auf unzähligen Weihnachtsmärkten in unserem Land. Und wir sind viele.
Wir stehen für Frieden und Solidarität, für Zusammenhalt und Nächstenliebe. Wir halten zusammen, weil uns ein gelingendes Miteinander mit gegenseitigem Respekt in unserem Land und in unserer Stadt wichtig ist. All das werden wir uns nicht nehmen lassen. Von niemandem auf der Welt! Wir lassen uns heute nicht auseinanderdividieren.
Alles ist noch so frisch! Vieles ist ungeklärt, viele Fragen sind offen. Immerhin: Der Täter ist gefasst. Gott sei Dank. Vieles wird noch aufzuklären sein. Nicht heute, aber in den nächsten Wochen.
Innehalten – wie gut, dass das geht!
Heute ist die Zeit, zusammen zu stehen und standzuhalten.
Standzuhalten für ein friedliches, respektvolles Miteinander. Standzuhalten für Weihnachten, das Fest der Liebe und der Hoffnung, der Freude und des Friedens. Allem Bösen zun Trotz. „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt“ so hat es in dunkler Nazizeit der Dichter Jochen Klepper formuliert.
Nochmal: Gut, dass Sie hier sind und innehalten.
(Schweigeminute)
Gut, dass Sie hier sind und nach der Schweigeminute auch hier auf dem Weihnachtsmarkt beisammenbleiben und diese besonderen Tage im Jahr feiern.
Auch so setzen Sie dem Dunkel dieser schrecklichen Ereignisse das Licht der Anteilnahme, der Gemeinschaft, der Solidarität und des friedvollen Miteinanders entgegen. Sie halten stand! Dieses Licht ist heute unendlich wertvoll! Und deshalb umso wichtiger: Ich wünsche Ihnen fröhliche und gesegnete Weihnachten.“
