Düsseldorf. Die drei evangelischen Landeskirchen sowie die fünf katholischen (Erz-)Bistümer in Nordrhein-Westfalen senden auch in diesem Jahr ein gemeinsames Grußwort an die jüdischen Gemeinden zum Neujahrsfest Rosch HaSchana. Die Vertreterinnen und Vertreter der christlichen Kirchen wünschen den Jüdinnen und Juden in Nordrhein-Westfalen ein gesegnetes Neujahrsfest: „Schana tova umetukka!“ – „Ein gutes und süßes Jahr!“
Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Verantwortung für den Erhalt der Demokratie. Anlass ist, dass in zeitlicher Nähe zu Rosch HaSchana in mehreren Bundesländern Wahlen stattfinden. „Freie und allgemeine Wahlen machen den Kern unserer Demokratie aus“, heißt es in dem ökumenischen Grußwort. Darin verwirkliche sich ein Menschenbild, das Judentum und Christentum präge: „Alle Menschen sind mit gleicher Würde geschaffen: ,Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.‘“ Zugleich teilen die Kirchen die Sorge vieler jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte.
Dankbar für Unterstützung mit beginnender Demokratie in Deutschland
Die Kirchen erinnern zugleich daran, dass es nach der Zeit des Nationalsozialismus keineswegs absehbar gewesen sei, dass Deutschland sich zu einem demokratischen Staat entwickeln würde. Umso dankbarer zeigen sich die Unterzeichnenden dafür, dass auch Jüdinnen und Juden, die von der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft verfolgt worden waren, die beginnende Demokratie in Deutschland unterstützt haben. Schon in den ersten Jahren nach Ende der Diktatur seien jüdische Gemeinden in Deutschland neu gegründet worden; Jüdinnen und Juden hätten sich in Politik und Zivilgesellschaft eingebracht. „Dieses Engagement können wir nicht hoch genug schätzen. Es gehört unlöslich zu unserer Geschichte – und zu unserer Zukunft“, betonen die Kirchen.
„Wer die Demokratie einschränkt, diskriminiert Menschen“
Mit Blick auf die Gegenwart warnen die Kirchenvertreter: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie kann nur existieren, wenn Menschen sich aktiv für sie einsetzen.“ Dies sei gerade heute nötig, wo Feinde der Demokratie die Mittel des demokratischen Rechtsstaates nutzten, um diesen abzuschaffen. Antisemitische und antidemokratische Einstellungen gingen dabei oft Hand in Hand: „Wer die Demokratie einschränkt, diskriminiert Menschen und grenzt sie vom gesellschaftlichen Leben aus.“
Gemeinsam für den Erhalt der Demokratie wirken
Für das neue jüdische Jahr verbinden die Kirchen den Segenswunsch mit dem Aufruf zu gemeinsamem Engagement: „Lassen Sie uns als Juden und Christen in diesem Jahr gemeinsam wirken für den Erhalt der Demokratie – zusammen mit allen Menschen, die dem gleichen Ziel verbunden sind.“ Das Grußwort schließt mit dem Vertrauen: „Gott behütet unseren Ausgang und Eingang. Darin liegt unsere Zuversicht und Zukunft.“
Präses Dr. Thorsten Latzel betont Solidarität mit jüdischen Geschwistern
Präses Dr. Thorsten Latzel, leitender Geistlicher der Evangelischen Kirche im Rheinland, ergänzt persönlich über das Grußwort hinaus: „Es ist eine Gnade und ein Geschenk, dass sich Menschen jüdischen Glaubens nach 1945 entschieden haben, in Deutschland zu leben, und so jüdisches Leben möglich machten. Als Evangelische Kirche stehen wir auch in politisch kritischen Zeiten gemeinsam mit unseren jüdischen Geschwistern dafür ein, dass Antisemitismus keinen Platz in unserer Gesellschaft hat, dass die Verbrechen der NS-Zeit nicht verharmlost werden, dass Menschen ohne Angst verschieden sein können und dass jüdisches Leben ein unaufgebbarer Teil von Deutschland ist und immer bleiben wird.“
Die Unterzeichnerin/die Unterzeichner
Das Grußwort haben unterschrieben: Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (Erzbistum Paderborn), Bischof Dr. Helmut Dieser (Bistum Aachen), Präses Michael Keil (Lippische Landessynode), Präses Dr. Thorsten Latzel (Evangelische Kirche im Rheinland), Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Bistum Essen), Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder (Evangelische Kirche von Westfalen), Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ (Bistum Münster) und Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbistum Köln).
