Die Turmspitze der Rheydter Hauptkirche schwebt zu Boden

In einer spektakulären Aktion wird der baufällige obere Teil des Kirchturms als Ganzes abgehoben.

Das Stahlgerüst der Turmspitze der evangelischen Hauptkirche in Rheydt ist vom Rost zerfressen, eine Sanierung dringend notwendig. Bereits im Juni war das vier Meter hohe Kreuz vom Turm entfernt worden. Jetzt folgt die Turmspitze bis zur sogenannten Laterne, den Öffnungen oberhalb der Turmkuppel. Obwohl es sich um ein tonnenschweres und mehr als zehn Meter hohes Bauelement handelt, muss mit chirurgischer Präzision zu Werke gegangen werden. Um möglichst viel der Originalbauteile zu erhalten, wird die Turmspitze als Ganzes abgenommen und zu Boden gelassen.

Für diese Aktion sind zwei Kräne notwendig: einer 460-Tonnen-Kran, der ein Stahlkonstrukt über den 70 Meter hohen Turm hievt, um die Spitze mit viel Feingefühl abnehmen zu können. „Das Gerüst darf dabei nicht auf den Turmwänden aufliegen, es muss während des ganzen Vorgangs schweben“, erklärt Dipl.-Ing. Rudolf Thieme von Danielzik Baumanagement, der die Projektsteuerung übernommen hat. Ein zweiter Kran wird benötigt, um die Spezialisten, die mit der Abnahme der Turmspitze beschäftigt sind, nach oben zu bringen.

Die Arbeiten in schwindelnder Höhe werden vom 2. bis 5. November 2021 durchgeführt. In dieser Zeit werden Teile des Rheydter Marktplatzes sowie die Hauptstraße aus Sicherheitsgründen gesperrt sein. Auch ein Baum, der die Arbeiten behindert, muss leider gefällt werden. Die Kirchengemeinde Rheydt hat Anwohner und Geschäftsleute in direkter Nähe der Kirche informiert und um Verständnis für die Einschränkungen geworben. Die Hauptkirche selbst ist in der Woche vom 2.bis 6. November geschlossen. Veranstaltungen wie das Friedensgebet finden in dieser Zeit im Ernst-Christoffel-Haus, dem Gemeindehaus an der Wilhelm-Strauß-Straße, statt.

Die Kosten für die Abnahme der Turmspitze werden vom Land NRW mit rund 282.000 Euro gefördert.

Für die denkmalgerechte Sanierung der Turmspitze muss von der Gemeinde finanziert werden. Der zu diesem Zweck gegründete Bauverein sammelt dafür Spenden. Unter anderem mit einer Benefizveranstaltung zugunsten des Rheydter Wahrzeichens am 7.November 2021 um 18.30 Uhr: der Kabarettist Konrad Beikircher kommt mit seinem neuen Programm „Kirche, Pest und andere Seuchen“ in die Hauptkirche.

Die Abnahme der Turmspitze ist die auffälligste, aber nicht die einzige Maßnahme, die zur Sanierung der Hauptkirche notwendig ist. Neben dem Turm muss auch an der Fassade gearbeitet werden. Die roten Bänder, die sich um viele der Fassadenelemente winden, zeigen es deutlich: hier ist ebenfalls Sanierungsbedarf. Die Eisenstifte, mit den Bögen und Säulen verbunden sind, sind von der Feuchtigkeit, die im Laufe von 120 Jahren eingedrungen ist, angegriffen worden. Und der Rost sprengt nun den Basaltstein von innen.

Die evangelische Hauptkirche in Rheydt wurde als zentrale Kirche der großen evangelischen Gemeinde der damals selbstständigen Stadt zwischen 1899 und 1902 erbaut. Der Entwurf stammt vom Berliner Architekten Prof. Johannes Otzen. Sie ist heute ein herausragendes Baudenkmal, das die Silhouette der Stadt prägt. Einschließlich des vier Meter hohen Kreuzes auf dem Turm stellte die Kirche bisher das höchste Gebäude der Innenstadt dar. Das soll auch wieder so werden – mit etwas Glück ist 2023 soweit.

Gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes

Nordrhein-Westfalen

  • Erbaut zwischen 1899 und 1902
  • Innensanierung zwischen 1997 und 2018
  • Außensanierung
  • Abnahme des Kreuzes 15.Juni 2021
  • Abnahme der Turmspitze 2. bis 5. November 2021
  • Straßensperrungen: Marktplatz, Hauptstraße
  • Gewicht Turmspitze: 4 bis 6 Tonnen
  • Kosten Abnahme Turmspitze: ca. 400.000 bis 500.000 Euro
  • Kosten Gesamtsanierung: geschätzt 10 bis 15 Millionen Euro
  • Zeitrahmen Gesamtsanierung: ca. 5 bis 8 Jahre