Predigt über Johannes 6,37
Ein neues Jahr hat begonnen. Was wird es bringen? Wohl selten ist diese Frage so dringlich gesprochen worden, wie in diesem Jahr.
Das letzte Jahr war durch und durch von Corona bestimmt. Wir hatten oft Sorge und Angst, waren oft müde und der ganzen Last überdrüssig. Die ganze Kompliziertheit des Lebens nervt. Wann endlich wird das Leben wieder normaler? Wann kann ich jemanden ungetrübt in den Arm nehmen? Wann kann ich endlich diese blöden Masken wegschmeißen? Wann kann ich mit meinen SeniorInnen wieder Tagesausflüge machen? Und doch auch: Ich bin dankbar dafür bewahrt worden zu sein.
Ja, es gab auch vieles, das im vergangenen Jahr wunderschön war, sowohl im Privaten als auch in der Gemeinde. Das alles will ich nicht vergessen. Und dafür bin ich zutiefst dankbar. Viele helle Sonnenstrahlen haben mein Leben erleuchtet. Wie schön.
Und nun, was wird das neue Jahr bringen? Ich weiß es nicht. Und vielleicht ist das auch gut so. Aber auf eines vertraue ich sehr: Ich werde in allem, was das neue Jahr bringt nicht alleine sein. Mit mir unterwegs sind meine Familie, meine Freunde. Sie geben mir Halt. Und ich habe zudem eine Adresse, an die ich mich immer wenden kann, Tag und Nacht. So sagt es die Losung, die für das kommende Jahr ausgesucht worden ist: Jesus sagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Verlag am Birnbach, Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen
Die Künstlerin Stefanie Bahlinger hat dazu ein Bild gemalt: Eine geöffnete Tür weckt meine Neugierde: wer hat sie geöffnet und für wen? Ich sehe nur einen kleinen Ausschnitt des Raums dahinter. Niemand da? Wer und was erwarten mich, wenn ich mich nähere? Darf ich eintreten?
Auf einem Tisch liegt ein Brot, dicht daneben steht ein Glas Wein. Für wen? Der Tisch ist nur angedeutet, wirkt schwebend. Sonst sind keine Möbel zu sehen, weder ein Schrank noch Stühle, auch keine Rückwand. Nur warmes, einladendes Licht, das von hinten in den Raum fällt und sich nach außen hin ausbreitet. Woher kommt es? Der Lichtkegel sieht aus wie ein Weg. Der Zutritt ist barrierefrei, der Eintritt frei – kein „Türsteher“, keine Kontrolle.
Bleibt die Tür offen oder fällt sie irgendwann ins Schloss? Ein überdimensionaler goldener Schlüssel in Form eines Kreuzes baumelt an einer Kette von oben herab. Das Kreuz als Schlüssel zum Leben.
Ansonsten bestimmen pastellige Blautöne die obere Bildhälfte, die sich mit den zarten Braun- und Grautönen der unteren Bildhälfte vermischen. Himmelsfarben treffen auf erdige Töne. Der Ort scheint zwischen Himmel und Erde zu schweben.
Wo finde ich diesen Raum mit seiner geheimnisvollen Weite, diesen Ort, an dem ich mich zuhause und geborgen fühlen könnte? Ist es ein Sehnsuchtsort, der sich überall auftun könnte, vielleicht sogar in meinem Herzen?
Mir scheint, als habe uns die Künstlerin in ihrer symbolreichen Grafik nicht nur einen Ort, sondern zugleich den Gastgeber selbst vor Augen gemalt, der uns zu sich einlädt und verspricht:
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Welch eine tolle Jahreslosung. Einladend, freundlich. Genau das vermittelt auch das Bild. Hell und schön ist es bei Gott. Ein warmes Licht strahlt mir entgegen.
Der Alltag wird auch im kommenden Jahr oft anstrengend werden. Die Pandemie wird nicht von jetzt auf gleich verschwinden. Aber es gibt einen Raum, in dem ich immer geborgen sein werde. Einen Raum ohne Corona, ohne Sorgen, ohne Leid. Dann, wenn ich mit meinem Gott zusammen bin, dann kann mir nichts geschehen. Ganz im Gegenteil. Ich bin schlicht sicher und geborgen. Du ich werde zusätzlich gestärkt. Brot und Wein sind für mich Symbol für das, was ich zum Leben brauche. Gott wird es mir geben.
Die Jahreslosung erinnert mich an das, was mir auch im neuen Jahr Halt und Mut gibt. So kann das neue Jahr gut starten. Amen.
