In einer Veranstaltung des Kirchenkreises und der Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft diskutierten die Teilnehmenden Möglichkeiten intensivierter Kooperation.
Wie nehmen sich Kirche und Wirtschaft gegenseitig wahr? Wie ist die Beziehung zueinander: Ist es eine Liebesheirat, eine Vernunftehe oder lebt man schon in Scheidung? Eine Antwort auf diese Fragen suchten rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kirche, Wirtschaft und Politik bei einer Veranstaltung im Gemeindezentrum der Kreuzkirche in Neuss-Gnadental. Eingeladen hatten der Kirchenkreis Gladbach-Neuss und die Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft. Urteilt man nach der Stimmung bei der Veranstaltung, so ist es eine Liebesheirat, denn es herrschte eine Atmosphäre aktiven und engagierten Miteinanders. Doch bei aller Harmonie: es gab auch viele kritische Fragen und Hinweise auf ungenutzte Chancen. Mit anderen Worten: Therapieansätze für die Paarbeziehung.
In seinem Impuls zu Beginn der Veranstaltung forderte Superintendent Dietrich Denker zum Hinschauen auf: „Genaues, scharfes Hinschauen tut uns gut.“ Und hingeschaut wurde zuerst von den Referentinnen und Referenten, dann von den Teilnehmenden in einer anschließenden Gruppenrunde.
Pfarrer Till Hüttenberger stellte in seinem Eingangsstatement fest: „Kirche und Wirtschaft sind aufeinander angewiesen. Erfolgreiche Wirtschaft stützt die Kirche. Ohne Wirtschaft geht es nicht.“ Aber auch die Wirtschaft müsse sich ihrer Verantwortung stellen. „Kirche und Wirtschaft sind als Paar untrennbar, aber nicht immer glücklich miteinander.“ Matthias Jacobstroer, Geschäftsführer eines diakonischen Unternehmens, hielt das Eingangsstatement für die Initiative Wirtschaft. Er stellte die Frage, wozu wirtschaftlicher Erfolg dienen solle und sah in einer Kultur des Miteinanders und des wertschätzenden Umgangs eine Antwort auf den Arbeitskräftemangel. Rita Tönjann, Krankenhausdirektorin des Ev. Krankenhauses Bethesda der Johanniter in Mönchengladbach, betonte die Bedeutung der Seelsorge in einem evangelischen Krankenhaus: „Die Seelsorger sind Ansprechpartner für die Patientinnen und Patienten und deren Angehörige, aber auch für die Mitarbeitenden.“ Gerhard von Kulmiz, Vorstandsvorsitzender der Innomax AG, erklärte in einem sehr persönlichen Statement: „Ich habe es nicht immer geschafft, christliche Werte im Unternehmen wirklich zu leben. Dabei gibt es hier ein großes Potenzial, das geschöpft werden müsste.“ Beispielsweise bei der Mitarbeitergewinnung. „Menschen brauchen Menschlichkeit.“ Carl-Dietrich Sander schließlich, Sprecher der Regionalgruppe der Initiative Wirtschaft und Mit-Initiator der Veranstaltung, stellte das Projekt „Kirche-Klima-Wirtschaft“ vor, das in der evangelischen Kirchengemeinde Kaarst an den Start gegangen ist. Hier will sich Wirtschaft aktiv in die energetische Sanierung einbringen.
Nach den Statements lud Moderatorin Wiebke Böhmer die Teilnehmer ein, in Gruppen in den Austausch zu gehen. In fünf Gruppen wurde angeregt diskutiert. Es gab ganz konkrete Vorschläge wie die kirchlichen Räume verstärkt zu Räumen öffentlicher Begegnung zu machen, Bürger-Energie-Genossenschaften zu gründen oder die Wirtschaft als Partnerin für Investitionen kirchlichen Kapitals zur Sicherung des Vermögens für nachfolgende Generationen zu nutzen. Als große Schnittmenge jedoch machten die Teilnehmenden die Frage des Umgangs miteinander in den Unternehmen aus. Hier könne Kirche auf der Grundlage christlicher Werte einen wertvollen Beitrag zur Unternehmenskultur und zu einem wertschätzenden Miteinander leisten.
