Lesung „Eure Sprache ist auch meine“ (Karl Wolfskehl)

 Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lädt ein:

Lesung aus dem Gedichtband

„Eure Sprache ist auch meine – Gedichte aus dem italienischen Exil“

des jüdischen Schriftstellers und Dichters Karl Wolfskehl.

Es liest: Germanistik-Prof. Dr. Ralf Georg Czapla – Herausgeber des Gedichtbandes.

Termin: Dienstag, 10. Dezember 2024, um 18:30 Uhr

Ort: Zentralbibliothek Carl Brandts Haus, Blücherstr. 6, 41061 Mönchengladbach

Der Eintritt ist frei.

 

Zu Karl Wolfskehl:

„Ich habe nämlich die Heimat verloren. Weißt Du, was das heißt für einen Dichter?“, schrieb Karl Wolfskehl 1947 aus seinem Exil in Auckland in Neuseeland an den deutschen Grafiker Emil Preetorius. Der Schmerz über seine Vertreibung als Jude aus seiner Heimat und aus seiner Sprache saßen tief bei ihm. Denn er verstand sich selbst als „jüdisch, römisch, deutsch zugleich“. Diese unterschiedlichen Identitäten waren für ihn nie exklusiv, sondern ergänzten sich und formten ihn.

Es war die Entdeckung der Dichtkunst von Stefan George, die Wolfskehl in seiner Jugend und als Germanistikstudent 1892 eine neue Welt eröffnete und ihn zu dessen lebenslangem Verehrer machten. Seine frühen Gedichte waren noch stark von der Lyrik „des Meisters“, wie er George ehrfürchtig nannte, orientiert. Im Vordergrund standen ästhetische Ideale, doch bald tauchten bei Wolfskehl auch jüdische Motive auf. In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg und der anschließenden Weimarer Republik war Wolfskehl bekannt mit einer ganzen Reihe von innovativen Künstlern und Gelehrten wie u.a. Franz Marc, Else Lasker-Schüler, Walter Benjamin, Martin Buber und Albrecht Schweitzer.

Nach dem Reichstagsbrand 1932 floh Wolfskehl vor der anstehenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Schweiz reiste er weiter nach Italien. Die zunehmende Nähe zwischen Mussolini und Hitler ließ ihn antijüdische Tendenzen auch in Italien ahnen, sodass er nach Neuseeland emigrierte.

In seinem Gedichtzyklus „Die Stimme spricht“ (1934/36), der im schweizerischen und italienischen Exil entstand, verarbeitete Karl Wolfskehl nicht nur das persönliche Schicksal der Emigration, sondern begegnete auch der Anfechtung jüdischer Identität durch den Nationalsozialismus. Der Zyklus ist als Zwiegespräch mit einer göttlichen Stimme gestaltet, in dem das lyrische Ich zunächst den Verlust der Heimat beklagt, ehe es in diesem Verlust das Schicksal der Juden als wanderndes und leidgeprüftes Volk gespiegelt sieht und neues Vertrauen zu Gott schöpft.                (Quellen: Wikipedia, Quintus-Verlag, Stadt Kultur Magazin Darmstadt)