Ostergruß des Superintendenten – Ostern zwischen Zweifel und Staunen

„Ist da wirklich jemand?“ – Diese Frage der aktuellen Plakatkampagne von Bibel TV hallt an Ostern besonders laut nach. Wir feiern den Sieg über den Tod, doch draußen in der Welt scheint der Tod seine Macht zu behalten und das letzte Wort zu haben. Was ist da noch nach dem Tod – nichts und niemand?  Der Zweifel ist groß: Ist die Auferstehung nur ein schönes Märchen gegen die Angst?

Sogar die engsten Freunde Jesu brauchen Beweise. Thomas wollte erst sehen, dann glauben. Der österliche Jesus begegnet ihm mit einer Sanftheit, die auch für uns heute gilt. Er sagt ihm: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29). Das ist kein Vorwurf, sondern ein Liebesbeweis. Er weiß, dass es nicht anders geht. Unser Osterglaube muss ohne sichtbare Beweise auskommen. Da kann man mit Jesus sagen: Glücklich sind die, die das glauben können.

Bleibt die Angst? Es gibt Zeichen, die unsere Angst brechen. Denken wir an den Samenkorn-Effekt: Ein winziges Korn wird in die dunkle, kalte Erde gelegt. Es sieht aus wie das Ende – es stirbt, es vergeht. Doch genau in dieser Dunkelheit bricht die Hülle auf, und eine Kraft, die niemand sehen kann, schiebt einen grünen Halm durch den harten Boden dem Licht entgegen.

Das ist Ostern im Kleinen: Aus dem, was wir für verloren halten, lässt Gott neues Leben sprießen. Wo wir ein Ende sehen, schafft Gott einen Anfang. Wenn ein Mensch nach Jahren der Bitterkeit plötzlich vergeben kann, wenn aus tiefer Trauer neuer Lebensmut wächst oder wenn Menschen trotz Krisen sagen: „Ich bin gehalten“, dann ist das die Auferstehungskraft mitten unter uns.

Gott durchleuchtet das Dunkel der Grabeshöhle. Gott schützt uns auch im Zweifel. Wir müssen nicht erst glauben und alles verstehen, um getragen zu sein. Ostern sagt uns: Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Durchgang. Jesus ist da – auch wenn wir ihn nicht sehen. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Weder am Ende der Zeit noch in den kleinen „Toden“, die wir täglich sterben. Gott schenkt uns die Gnade des Neubeginns und die Ehre, als seine Kinder unsterblich geliebt zu sein.

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!
Mit diesem alten Ostergruß, wünsche ich Ihnen frohe und gesegnete Ostern.

Ihr
Dietrich Denker