Er ist schon seit dem 1. April in Neuss, nun aber auch durch Superintendent Dietrich Denker offiziell in sein Amt eingeführt: Pfarrer Jörg Zimmermann übernimmt in der Nachfolge von Pfarrer Franz Dohmes eine Pfarrstelle in der Evangelischen Christuskirchengemeinde in Neuss. Mit ihm hergezogen ist seine Frau Ute Zimmermann-Thiel, Innenarchitektin und Kunsthistorikerin, sowie die Hündin Mayra. Die vier Kinder – jeweils zwei aus erster Ehe – sind längst erwachsen.
Ein Amtsantritt in Corona-Zeiten ist nicht ganz einfach. Der Einführungsgottesdienst wird gestreamt und nicht mit der ganzen Gemeinde gefeiert. Und auch das Kennenlernen ist erschwert. „Ich sehe die Menschen so gut wie nur am Bildschirm oder mit Maske“, stellt Jörg Zimmermann fest. Auf die neuen Aufgaben freut er sich dennoch, zumal er mit dem Wechsel ins Rheinland zu seinen Wurzeln zurückkehrt.
Er ist in Ratingen geboren und in Düsseldorf aufgewachsen. Das Studium absolviert er in Wuppertal, Tübingen und München. Nach dem Vikariat aber zieht es den Theologen in die Ferne. Für die Vereinigte Evangelische Mission geht er zusammen mit Frau und Kind ins ostafrikanische Ruanda, wo er für die Presbyterianische Kirche ein Sozialzentrum in der Hauptstadt Kigali leitet und auch in der französischsprachigen Gemeinde als Pfarrer und Chorleiter mitarbeitet. 1994 kommt es zur ruandischen Katastrophe – der Völkermord an den Tutsi beginnt. Jörg Zimmermann und seine Familie flüchten aus dem Land. Sie kehren nach Deutschland zurück, Zimmermann wird Pfarrer in Bonn, wo er 22 Jahre lang seinen Dienst versieht. Dann ist die Zeit für einen Wechsel gekommen: 2016 übernimmt er eine Pfarrstelle im friesischen Sande, das zur oldenburgischen Kirche gehört. Und nun 2021 folgen Neuss und die Pfarrstelle in der Christuskirchengemeinde. „Das Rheinland lag nahe“, sagt er, der im ländlichen Ostfriesland einiges vermisst hat. „Ich bin sehr froh, hier zu sein.“ Die Aufgaben in der Christuskirchengemeinde werden mit dem personellen Wechsel neu verteilt. Pfarrer Zimmermann übernimmt schwerpunktmäßig die Erwachsenenarbeit, Pfarrerin Kathrin Jabs-Wohlgemuth die Kinder- und Jugendarbeit. Die Bezirksgrenzen verlieren perspektivisch an Bedeutung.
Obwohl nach dem Völkermord an eine dauerhafte Rückkehr nach Ruanda nicht zu denken war, hat Jörg Zimmermann den Kontakt in das ostafrikanische Land aufrechterhalten. Seine afrikanischen Erfahrungen wirken zudem weiter: Spontanität im Gottesdienst und freie Predigt sind ihm wichtig. Hinzu kommt eine besondere Wertschätzung der Kirchenmusik. „Ich bin damit groß geworden. Viele Bibeltexte sind mir über die dazu gehörigen Melodien vertraut“, erklärt er. Auch die Einbindung der lokal verorteten Gemeinde in die Weltkirche ist ihm ein Anliegen. „Die Gemeinden sind häufig sehr binnenorientiert, aber oft ist es sehr sinnvoll, den Blick zu weiten“, meint er. Und: „Kirche wird in Deutschland oft mit Traditionen in Verbindung gebracht. Ich möchte zeigen, dass der christliche Glaube absolut gegenwartsorientiert und zukunftsrelevant ist.“
