Die 1. Heimkinder Community NRW e.V. feierte ihr 10jähriges Bestehen.
„Was in der Kindheit geschieht, bestimmt das ganze weitere Leben“, sagt Oberbürgermeister Felix Heinrichs an die 1. Heimkinder Community NRW e.V. gewandt. „Unrecht vergeht nicht.“ Was Kinder in Heimen auch nach dem Ende der Nazi-Diktatur in Deutschland erleben mussten, prägt ihr gesamten Lebenslauf: Medikamentenversuche, Züchtigung, Entzug von Nahrung, in kirchlichen Heimen perverserweise auch noch religiös begründet. „In einer Lebensphase, die eigentlich besonderer Fürsorge bedarf, haben die Heimkinder unendliches Leid erfahren“, stellt Christoph Simonsen, Pfarrer an der Citykirche Mönchengladbach, fest.
In der Citykirche findet die Feier zum 10jährigen Bestehen der 1. Heimkinder Community NRW e.V. statt. Der Verein hat eingeladen und viele, viele sind gekommen: Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen und Stadt, Parteien und Institutionen, Unterstützerinnen und Unterstützer und natürlich die Vereinsmitglieder. Seit der Gründung ist ein Jahrzehnt vergangen, aber: „Der Vereinszweck hat sich nicht erledigt“, sagt Superintendent Dietrich Denker als Vertreter der evangelischen Kirche, der das Durchhaltevermögen und die Entschlossenheit der Heimkinder Community besonders hervorhebt. Auch OB Heinrichs äußerst großen Respekt vor der Leistung des Vereins: „Sie sind die erste Generation, die den Mut aufgebracht hat, Missbrauch zu benennen.“ Journalistin Dr. Christiane Florin, die sehr intensiv zu diesem Thema recherchiert und auch den Vereinsvorsitzenden Uwe Werner begleitet hat, betont: „Es ist eine Schande, dass Sie selbst als Heimkinder aktiv werden müssen, dass nicht die Institutionen es selbst aufarbeiten.“
Uwe Werner, dem Vereinsvorsitzende und Mitbegründer der Heimkinder Community, fällt es schwer, ein Fazit der vergangenen zehn Jahre zu ziehen: „Es ist nie Schluss bis zu unserem Lebensende. Aber wir wollen mit unserer Lebensweise belegen, was an menschlichem Potenzial verschleudert wurde durch Missbrauch und Vernachlässigung in den Heimen.“
Die 1. Heimkinder Community NRW e.V. setzt ihre Arbeit auch weiterhin fort: Betroffene werden bei Antragstellungen und Behördengängen unterstützt, man kümmert sich umeinander im Krankheitsfall, trifft sich, tauscht sich aus, feiert auch miteinander, denn viele Heimkinder haben niemals eine eigene Familie gegründet. Auch deshalb hat die Heimkinder Community ein neues, wichtiges Projekt ins Leben gerufen: das Wohnmodellprojekt für ehemalige Heimkinder, mit dem verhindert werden soll, dass Menschen, die als Kinder in Heimen so viel Leid erlitten haben, sich im Alter in einem Heim wieder finden, nur weil es keine Alternative dazu gibt. Das Projekt ist schon fortgeschritten und erfährt viel Unterstützung, unter anderem durch eine Kollekte, die in allen evangelischen Gemeinden im Rheinland gesammelt wurde. Auch die Stadt Mönchengladbach sagt der Heimkinder Community weiterhin ihre Unterstützung zu. Damit ehemalige Heimkinder nie wieder in ein Heim müssen.
