Die Spendenbereitschaft von Bürgern, Stiftungen und Unternehmen für die Rheydter Hauptkirche ist groß, der Finanzbedarf aber auch.
„Die Menschen identifizieren sich in hohem Maße mit der Hauptkirche“, sagt Martina Wasserloos-Strunk, die Vorsitzende des Presbyteriums der Ev. Kirchengemeinde Rheydt. Auch deshalb wird der amputierte Turm, dessen Spitze seit mehr als einem Jahr neben dem Kircheneingang steht, als Wunde im Herzen von Rheydt wahrgenommen. Die Spendenbereitschaft in der Stadt ist beeindruckend. Jochen Semmler, Vorsitzender des Bauvereins Hauptkirche, konnte jetzt einen Scheck über 50.000 Euro überreichen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, jedes Jahr mindestens 100.000 Euro an Spenden einzuwerben“, sagt Semmler, „und wir stehen nach anderthalb Jahren bei 155.000 Euro.“ Eine eindrucksvolle Bilanz, die Hoffnung macht, das ambitionierte Ziel zu erreichen – die Wiederherstellung der Turmspitze bis Weihnachten 2024.
Etwa 4,3 Millionen Euro werden für dieses Vorhaben benötigt. Mit Spenden allein ist das nicht zu stemmen. Die Kirchengemeinde hat deshalb beim Bund und beim Land NRW Förderanträge gestellt. Mit den Fördergeldern soll das Innere der Turmspitze und das Innere der Kuppel geprüft und das marode Stahlgerüst fachgerecht saniert werden. Außerdem soll eine 140 Quadratmeter große Fläche an der Nordfassade beispielhaft untersucht und saniert werden. „Auf dieser Fläche sind alle Probleme erkennbar, die an Fassaden und Kapitellen der Hauptkirche auftreten“, erklärt der Vorsitzende des Bauvereins. Denn mit dem Wiederaufsetzen der Turmspitze ist es nicht getan – auch das Mauerwerk bedarf der Sanierung. Der Sandstein bröselt, die Stahlkonstruktionen im Inneren der Basaltsäulen rosten und sprengen den Stein. Um all diese Schäden zu beheben, sind voraussichtlich weitere sechs Millionen Euro nötig. Das heißt, die Gesamtsanierung wird – Stand heute – 10,2 Millionen Euro verschlingen. Eine gewaltige Summe, die die Kirchengemeinde allein nicht aufbringen kann. Aber die Verantwortlichen bleiben optimistisch und haben Grund dazu. „Wir machen einen Schritt nach dem anderen“, erklärt Semmler. In diesem Jahr wurde die Kirche gescannt und ein äußerst detailliertes Schadenskataster angelegt. Der Umfang der Arbeiten an den Fassaden steht damit fest. Ins Innere der Turmspitze haben die Denkmal-Experten noch nicht geschaut – die Fachleute sind noch im Ahrtal unterwegs, wo die Flutkatastrophe schnelles Handeln nötig macht. „Wir hoffen aber, dass wir Anfang des Jahres 2023 Untersuchungsergebnisse bekommen“, sagt Martina Wasserloos-Strunk.
Erst einmal aber sagen Bauverein und Kirchengemeinde Danke für die große Unterstützung, die die Hauptkirche schon erfahren hat. Und wer noch nach einem Weihnachtsgeschenk sucht und den Bauverein unterstützen möchte, kann den neuen Kalender mit Motiven der Hauptkirche erwerben. „Die Firma Cewe in Giesenkirchen hat den Druck des Kalenders großzügig unterstützt, so dass durch den Verkauf ein hoher Überschuss für den Bauverein erzielt werden kann“, sagt Bernd Pastors, der stellvertretende Vorsitzende des Bauvereins.
