Wer Ostern sucht…

Vielleicht haben Sie auch schon an der Straße die großen Werbeplakate gesehen mit dem Slogan: „Wer Ostern sucht, findet es bei Aldi.“

Darunter abgebildet sind Erdbeeren, Schokoladeneier und immerhin ein (gebackenes) Osterlamm. Ein solches Ostern muss man nicht suchen, ein solches Ostern braucht man nur zu kaufen. Das Wunder von Ostern wird reduziert auf ein paar Süßigkeiten, deren Symbolik Eingeweihte immerhin noch an Ostern denken lassen.

Wie viele Menschen mögen Ostern, die Botschaft vom Sieg des Lebens über den Tod, die Botschaft von der Überwindung des Hasses durch die Liebe, wirklich suchen? Wie viele Menschen haben sich längst damit abgefunden, dass die Welt so schlecht ist, wie sie ist und man ja doch nichts machen kann.

Wer trotz allem Ostern sucht, nicht bei Aldi, sondern wirklich sucht, wird die Augen vor allem Bösen in der Welt nicht verschließen aber so Gott will auch den Riss sehen, der durch diese Welt geht und durch den das Licht von Ostern scheint.

Pfarrer Jo Römelt aus Solingen hat in diesem Jahr ein neues Osterlied geschrieben, das uns bei der Suche nach Ostern helfen mag.

 

Ich habe noch so viele Fragen

Ich steh vor deinem Kreuz mit allen, was mich bewegt in dieser Zeit.
Ich denke an die vielen Menschen in Krieg und Flucht und tiefstem Leid.
Wenn du doch kämst, um zu verhindert, was Menschen andern Menschen tun.
Warum machst du all dem kein Ende? Und sprichst ein Machtwort hier und nun?

Ich muss wohl immer wieder lernen, dass dein Weg so ganz anders ist
und dass du selbst den Pfad des Leidens der Menschen mitgegangen bist.
Du hättest leicht dich retten können und hast es dennoch nicht getan,
bist unsrem Leid nicht ausgewichen und nimmst dich unsres Elends an.

Wo es bei uns besonders finster und schwer und schuldbeladen ist,
grad da bist du hineingekommen, weil du uns Freund und Bruder bist.
Du gehst den Weg bis ganz ans Ende, kennst in der Liebe kein Zurück.
Dass du die Brücken niemals abbrichst, ist unsre Heilung, unser Glück.

Bist du auch dann an meiner Seite, wenn ich die Welt nicht mehr versteh?
Bleibst du und lässt mich niemals fallen, wenn ich vor Schmerz kein Licht mehr seh?
Wenn ich mich selbst nicht mehr begreife, bist du mir nah und hältst mich fest?
Du kennst die tiefsten Dunkelheiten, all das, was mich nicht schlafen lässt.

 

Wenn Sie mögen, können Sie diesen Text auch singen (Text mit Noten).
Wer Ostern sucht, vergesse alle leeren Konsumversprechen und lasse sich auf diese zögerlich fragende Suche in schwierigen Zeiten ein.
Womöglich finden Sie oder findet Sie Gott dabei! Ich wünsche Ihnen Frohe Ostertage.
Pfarrer Ralf Laubert