Die Leiterin des Kinderhospizes in Hermannstadt / Siebenbürgen/ Rumänien schreibt anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Einrichtung an die Spenderinnen und Spender in Deutschland:
Hermannstadt, Oktober 2026
Liebe Spenderinnen und Spender des Kinderhospizes,
erneut nehme ich gerne den Anlass wahr, Ihnen aus unserem Haus zu berichten und mich gleichzeitig für Ihre letzte Spende zu bedanken.
In diesem Jahr sind es zehn Jahre, seit das Kinderhospiz in Hermannstadt seine Tore geöffnet hat. Zehn Jahre, in denen Sie uns begleitet haben – mit guten Gedanken, kleinen Gesten und großen Spenden. Das ist ein ganz besonderer Grund, Ihnen von Herzen zu danken.
Wenn wir ab und zu innehalten und über die vergangenen Jahre nachdenken, erkennen wir, was sich wie ein roter Faden durch die Geschichte unseres Hauses zieht: die vielen Hilfen, die wir erfahren haben. Das Kinderhospiz ist nach zehn Jahren kein Haus, das nur auf seine Anfänge zurückblickt. Es lebt, entwickelt sich weiter und hat die nächsten zehn Jahre im Blick. Dass wir diesen Weg gehen können, trägt auch Ihre Handschrift. Dafür danken wir Ihnen.
Rund 400 Kinder sind in diesen zehn Jahren für kürzere oder längere Zeit unsere Gäste gewesen. Für viele ist das Kinderhospiz zu einem ersten und letzten Zuhause geworden, weil sie keine Familie hatten oder weil ihre Lebensumstände ihnen kaum einen Platz in unserer Gesellschaft ließen.
Wir haben Kinder durch lange Leidenszeiten begleitet und traurig Abschied genommen. Wir haben Familien und ihre Kinder unterstützt, die sich zurück ins Leben gekämpft haben. Und wir haben Kinder mit einem Lachen gehen lassen, die ohne große Lebenschancen zu uns gekommen waren und nach schwierigen Eingriffen nicht nur ihre Gesundheit zurückgewannen, sondern auch eine Familie fanden.
Darius und Andrei gehören zu diesen Kindern. Sie haben schwere Zeiten durchlebt und sich Schritt für Schritt ins Leben zurückgekämpft. Doch das Schönste, was ihnen neben den schwierigen medizinischen Eingriffen geschenkt wurde, war eine Familie – Menschen, die sie lieben und zu denen sie gehören. Und jedes Mal, wenn sie uns besuchen, freuen wir uns von Herzen, sie so zu sehen.
Da sind auch Sofia, Artur und Anais. Ihre Eltern haben den Mut, ihre schwerstbehinderten Kinder trotz eines oft überforderten Gesundheitssystems zu Hause zu betreuen. Ab und zu kommen sie ins Kinderhospiz zurück – auch, um selbst neue Kraft zu schöpfen.
Und dann gibt es die Briefe und Anrufe verwaister Eltern. Sie haben wochenlang bei uns gelebt, gehofft und am Bett ihres Kindes ausgeharrt. Den Schmerz über den Tod ihres Kindes tragen sie weiter. Doch das Kinderhospiz ist ein Teil ihres Lebens geblieben. Und manchmal geben sie etwas von dem zurück, was sie selbst hier erfahren haben.
Die Eltern von Stefan sind die Taufpaten von Ovidiu geworden, der seine eigenen Eltern nie kennengelernt hat. Marias Vater schickt regelmäßig Windeln für Kinder, die wie Maria Hilfe brauchen. Manchmal erreichen uns auch Plüschtiere, so wie eines, das einst im Bettchen ihres verstorbenen Kindes lag. Sie sollen anderen Kindern Geborgenheit schenken – damit auch sie erfahren, wie gut es tut, weich und liebevoll gebettet zu sein.
An ganz gewöhnlichen Tagen im Kinderhospiz merkt man oft gar nicht, wie viel Unterstützung nötig ist, damit der Alltag seinen Lauf nehmen kann. Dass Crina und Mira therapeutisch begleitet werden, dass Musik, Gespräche und Ermutigung ihnen helfen, den Alltag zu meistern, und dass eine Physiotherapeutin jedes Kind individuell betreuen kann – all das ist möglich, weil Menschen wie Sie uns unterstützen.
Auch dass wir bisher die benötigten Medikamente, Spezialnahrung und Wundmaterialien bereitstellen konnten, verdanken wir in großem Maße Ihnen allen, die dem Kinderhospiz zur Seite stehen. Zehn Jahre lang haben Sie mitgeholfen, dass aus einer Idee ein lebendiges Haus werden konnte, in dem Kinder und ihre Familien Begleitung, Zuwendung und Unterstützung finden.
Wir würden uns freuen, wenn wir diesen Weg auch in den kommenden Jahren gemeinsam weitergehen könnten.
Danke, dass Sie uns begleiten. Danke für alles, was durch Ihre Hilfe möglich geworden ist.
Mit herzlichen Grüßen
Ortrun Rhein
