Synodale Regionalversammlungen beschäftigten sich mit deutlichem Rückgang bei den Pfarrstellen, nachlassender Kaufkraft und Investitionsstau bei Gebäuden
Die bisherigen Prognosen zu Pfarrstellen und Finanzkraft müssen drastisch nach unten korrigiert werden. Mit dieser Aussage sahen sich die Teilnehmenden an den drei synodalen Regionalversammlungen konfrontiert, zu denen der Superintendent zwischen dem 1. und dem 3. Juli eingeladen hatte. Deutliche Veränderungen sind nötig, wenn die Gemeinden nicht zwischen 2027 und 2030 in den defizitären Bereich und zwischen 2035 und 2045 in die Insolvenz gehen wollen. Auch im Bereich Personal sind noch mehr Anpassungen notwendig als ohnehin schon vorgesehen.
So sehen die Zahlen im Einzelnen aus:
Die Landeskirche hat ihre Pfarrstellenprognosen für 2040 nach unten korrigiert. Ging man bisher noch von 1000 Pfarrstellen für das Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland aus, liegt nach der Korrektur im Jahr 2040 die Zahl der Pfarrstellen nur noch bei 700. Das bedeutet für unseren Kirchenkreis eine Reduktion von heute noch 35,87 Gemeindepfarrstellen auf 19,26 im Jahr 2035. Davon sind drei in der Region Süd, sieben in der Region Ost und neun in der Region West verortet. Die Reduktion der Pfarrstellen hat zugleich einen Anstieg der Pfarrstellenpauschale zur Folge.
Mindestens ebenso gravierend ist die Entwicklung im Finanzbereich. Nicolas Hess, Sachgebietsleiter Finanzen, stellte das Kirchensteueraufkommen im Vergleich zum Verbraucherpreisindex, d.h. unter Berücksichtigung der Inflation, dar. Das Ergebnis ist ernüchternd: bei einer geschätzten Steigerung des Kirchensteueraufkommens von einem Prozent und einer Inflationsrate von zwei Prozent nimmt die reale Kaufkraft stetig ab. Das hat einschneidende Auswirkungen auf die Haushalte der Kirchengemeinden, wie Hess an einem Beispiel aufzeigte. Drei unterschiedliche Szenarien mit verschiedenen Steigerungsraten bei Einnahmen und Kosten wurden zugrunde gelegt. Das Ergebnis: eine Kirchengemeinde, die 2025 noch einen Überschuss von 100.000 Euro erwirtschaftet und über ein Eigenkapital von 4,5 Millionen Euro verfügt, rutscht je nach Szenario zwischen 2027 und 2030 in den defizitären Bereich und hat ihr Eigenkapital zwischen 2036 und bestenfalls 2045 vollständig aufgezehrt.
Ein drittes Problemfeld stellt der Investitionsstau bei den Gebäuden dar. Eine Fachfirma hat die rein kirchlich genutzten Immobilien bewertet und einen Investitionsstau von mehr als 77 Millionen Euro errechnet. Dazu zählen Ausbesserungen und Modernisierungen bei der Elektrik, Wasserinstallation, an Fenstern und Dächern, Maler- und Stuckateurarbeiten. Hinzu kommen fast 40 Millionen Euro für die energetische Sanierung der Gebäude, so dass für die Gebäude die gigantische Summe von knapp 117 Millionen Euro benötigt wird. Zum Vergleich: im gesamten Kirchenkreis gibt es derzeit ein Geldvermögen von 55 Millionen Euro. Hier finden Sie die Präsentation mit Zahlen und Details
In einem Planspiel beschäftigten sich die Teilnehmenden an den Regionalversammlungen dann mit den Konsequenzen dieser Zahlen: was passiert, wenn nur noch die Hälfte der Pfarrstellen und ein kleiner Teil der Gebäude zur Verfügung stehen? Wie lassen sich die Ressourcen verteilen? „Wir wollen neue Gedanken entwickeln, wie wir in Zukunft Kirche sein wollen. Um auch innovative Gemeindearbeit und Gemeindeaufbau leisten zu könne, braucht es finanzielle und personelle Spielräume “, sagt Superintendent Dietrich Denker. Die Regionalversammlungen bildeten den Auftakt. Die Presbyterien und die Kreissynode werden die Themen weiterverfolgen müssen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.
